Freitag, 1. Januar 2010

Über mich, das Reisen & den Blog



Auf dieser Seite gibt es einige Infos über mich, das Reisen und den Blog:
Warum blogge ich?
Warum (und wohin) reise ich?
Wie reise ich?
Welche Ausrüstung habe ich?
Über mich – kurze Vita
Kreuzfahrten: Pro & Contra

Warum blogge ich?

Der Hauptgrund ist: weil ich Spaß daran habe!

Ich reise leidenschaftlich gerne, und ich fotografiere gerne, um schöne Eindrücke und Situationen festzuhalten, da sonst vieles von dem Gesehenen nach und nach in Vergessenheit geraten würde. Meine Bilder helfen mir, die Erinnerungen und die damit verbundenen Erlebnisse und Gefühle lebendig zu halten – und immer, wenn ich mir nach einigen Jahren mal eine vergangene Reise (oder auch Konzertfotos) hier ansehe, werde ich dadurch an viele sehr schöne und teilweise schon (fast) vergessene Begebenheiten erinnert, was mir stets große Freude bereitet.
Erlebtes ist so dauerhaft "in der Vergangenheit abgespeichert" und dadurch vor der Vergäng­lich­keit bewahrt.

Mein Blog dient also in erster Linie mir selbst: als (Online-)Tagebuch, auf das ich von überall bequem Zugriff habe, um auch nach vielen Jahren das Erlebte noch mal Revue passieren lassen zu können und dabei genüsslich in Erinnerungen zu schwelgen (sowie um schnell nach Details/Daten zu bestimmten Ereignissen/Orten suchen zu können).


Cabo, Madeira (21.02.19)

Aber – natürlich – betreibe ich den ganzen Aufwand (mit inzwischen über 1000 Blog-Einträgen) nicht nur für mich.

Durch die Veröffentlichung der Bilder auf dem Blog können auch andere an meinen Erlebnissen teilhaben und die Schönheiten eines fernen Landes bequem "vom Sofa aus" genießen – geteilte Freude ist ja bekanntlich doppelte Freude.
Familienmitglieder und Freunde können so meine Reisen tagtäglich mitverfolgen – schon öfter habe ich nach meiner Rückkehr gesagt bekommen, "das war fast so, als wäre ich mit dabei gewesen", das ist eigentlich das schönste Kompliment, das man mir machen kann.

Außerdem können natürlich auch andere Personen sich im Nachhinein meine Reisen ansehen und davon profitieren, um sich etwa bei der Vorbereitung auf eine eigene Reise ein (bzw. viele) Bilder davon zu machen, was einen vor Ort erwartet: welcher Strand gefällt mir besonders gut, so dass ich vielleicht meine Unterkunft in der Nähe suche, welche Wanderung ist vielleicht lohnenswerter als andere, wie kommt man günstig vom Flughafen in die Innenstadt etc.


Maupiti (Nachbarinsel von Bora Bora), Südsee (19.05.13)

Ich selbst nutze andere Reiseseiten sehr häufig, wenn ich eine neue Reise plane – und durch meinen Blog kann die Reise-Community eben auch auf meine Erfahrungen zurückgreifen und sich davon inspirieren lassen. Aus diesem Grund bemühe ich mich auch, bei möglichst allen Orten, Gebäuden, Stränden etc. den genauen Namen als Bildunterschrift mit anzugeben, damit auch andere diese leicht ausfindig machen können (was leider bei vielen anderen Reiseseiten nicht so ist).

Meine Seiten ersetzen jedoch keineswegs einen Reise- oder auch Wanderführer, sondern sind vielmehr als Ergän­zung dazu gedacht. Daher verzichte ich meist auch auf historische Fakten etc. (die auch in den bereits vorhandenen Führern oder bei Wikipedia nachzulesen sind) und be­schränke mich in der Regel auf die Fotos, die es in dieser Vielzahl eben dort nicht gibt; nur gelegentlich gibt es mal eine kurze Anekdote, eine persönliche Einschätzung, aktuelle Infos (zu Preisen und Öffnungs­zeiten) oder auch mal einen "Insider-Tipp" (z.B. zur besten Tageszeit für sonnige Fotos an einem bestimm­ten Ort), der vielleicht so doch nicht in jedem Reiseführer steht.


Valletta, Malta (15.11.18)

Achtung: wer meinen Blog tatsächlich zur Planung eines eigenen Urlaubes nutzen möchte, dem sei gesagt, dass ich auf Reisen zwischen Frühstück und Abendessen meist im "Duracell-Modus", d.h. durch­gehend ohne Pause aktiv bin, vor allem, wenn ich alleine verreise; das, was ich an so einem Tag sehe und hier zeige, ist also für den "Normalbürger" oft eher das Programm von 2 Tagen!

Ich weiß, manchmal sind es auf den ersten Blick ziemlich viele Bilder für einen Tag – aber ich bin wirklich sehr bemüht darum, möglichst keine "doppelten" Bilder zu zeigen, so dass auch die Viel­zahl der Bilder den Betrachter hoffentlich nicht langweilt (zumal ja auch niemand dazu gezwungen wird, sich die Bilder alle anzusehen). An einem typischen Reisetag mache ich ca. 500 Fotos (manch­mal auch deutlich mehr, bei schlechtem Wetter wesentlich weniger), d.h. etwa 3- bis 4-mal mehr, als hier am Ende tatsächlich im Blog landen – noch mehr auszusortieren würde mir sehr schwer fallen, da viele Bilder auch mit einer Erinnerung verbunden sind, und da ich mir ja meine Reisen im Nachhinein auch immer mal wieder selbst hier ansehe, möchte ich natürlich auch, dass möglichst wenige Erinnerungen "verloren" gehen.


Plage Caravelle, Guadeloupe (15.01.17)

Warum (und wohin) reise ich?

Die Möglichkeit, durch eine Reise fernab des Alltags neuen Kulturen, Städten, Landschaften, Tieren, Pflanzen und Menschen zu begegnen, fasziniert und fesselt mich schon seit meiner Jugend. Als sehr visueller und auch neugieriger Mensch ist die Freude über neue Eindrücke ein bislang unersättlicher Antrieb, um immer wieder auf Entdeckungstour zu gehen.
Dabei können mich sowohl eine bunt glitzernde Hochhaus-Skyline wie in Hongkong als auch die unendlichen Weiten einer Teeplantage in Sri Lanka erfreuen – mein Hirn lässt sich von sehr unter­schiedlichen Reizen in den Bann ziehen: von moderner Architektur über gotische Kirchen bis hin zu verfallenen Tempel­ruinen, von kargen Wüstengegenden über idyllische Bergdörfer bis hin zu quirligen Großstädten.

Mein Favorit sind jedoch ohne Frage Naturerlebnisse, ob einsame Sandstrände oder auf dem Gipfel eines Berges – eine "beeindruckende Landschaft" lässt mein Herz höher schlagen, wobei eine Begegnung mit Tieren in freier Natur das noch toppen kann: die Sichtung von Walen (Island) oder Delphinen (Teneriffa) im Meer, Seehunde am Strand von Norderney, ein Elch in den Wäldern Kanadas, ein majestätischer Kondor in Peru oder Argentinien, eine Bergziege in Italien und nicht zuletzt natürlich alle Tiere Afrikas verzaubern mich bislang immer wieder neu. Selbst einem Eichhörnchen könnte ich stundenlang zusehen – wenn es nur nicht immer so schnell weg wäre ...


Samburu Nationalreservat, Kenia (09.01.19)

Neben der Faszination für die Natur liegt ein wichtiger Aspekt des Reisens für mich auch im "Abschalten vom Alltag", um den Kopf wieder frei zu bekommen und neue Energie tanken zu können – meine regelmäßigen Auszeiten dienen damit nicht zuletzt als Depressionsvorbeugung; entsprechend habe ich in berufstätigen Zeiten wirklich jeden "kostbaren Urlaubstag" zum Reisen verwendet – auch wenn ich ja keinen expliziten "Erholungsurlaub" mache (und etwa tagelang faul am Strand oder Hotelpool liege), empfinde ich das (aktive) Reisen mit Dauer-Sightseeing tagsüber insgesamt doch als sehr "erholsam" und die beste Art, mich zu regenerieren.

Schon als Student habe ich die Semesterferien stets für Reisen genutzt, damals (1994) ging es u.a. noch als Tramper (gemeinsam mit einem Freund) an die französische Atlantikküste und im Jahr drauf nach Venedig, im Gepäck nicht viel mehr als ein einfaches Zelt und eine Luftmatratze.
Es folgten jeweils zwei 4-wöchige Reisen durch Irland und Schottland (teilweise per Mietwagen) sowie mehrere Reisen nach Tunesien und Tschechien sowie u.a. auch in die Bretagne und nach Malta (alle jeweils von einer Freundin begleitet).


Brough of Birsay, Orkney, Schottland (14.05.99)

2002, mit meiner ersten "großen Reise", die ich ganz alleine unternommen habe (in 3 Wochen durch Thailand und Malaysia bis nach Singapur), wurde der Grundstein für das spätere Bloggen gelegt: damit die Daheimgebliebenen darüber informiert waren, dass es mir gut geht und wo ich war, gab es alle paar Tage aus einem Internetcafé eine eMail mit aktuellen Infos sowie einigen Fotos als Anhang. In den Folgejahren wurden diese "Reiserundmails" immer ausführlicher, und im Anschluss an die Reisen gab es auf meiner damaligen Homepage jeweils die 20-30 schönsten Bilder zu sehen.
Auch von meiner 4-monatigen Reise durch Neuseeland und Australien 2005/06 gab es damals nur ein paar Dutzend Bilder online.

2008 schließlich bin ich durch die Reise einer Freundin nach Korea zum ersten Mal auf einen Blog aufmerksam geworden, dessen Funktionen mich schnell überzeugt haben, so dass im September 2008 meine Reise in den Westen der USA die erste war, zu der es alle 2-3 Tage einen Blog-Eintrag gab, je nach Verfügbarkeit eines Internetcafés. Ab der nächsten Reise im Dezember 2008 nach Griechenland gab es dann durch das Mitführen eines kleinen Laptops nahezu täglich neue Bilder, da ich damit auch bequem in meiner jeweiligen Unterkunft die aktuellen Tagesereignisse aufbe­reiten konnte (und dies seitdem bis heute so handhabe).


Meine bisherigen Reiseziele

Nach Möglichkeit versuche ich, in (von mir) noch "unentdeckte" Regionen zu reisen, die den Reiz gänzlich neuer Eindrücke mit sich bringen, was aber bei inzwischen knapp 90 bereisten Ländern zunehmend schwieriger wird, so dass ich mittlerweile auch schon mehrfach etwa auf Teneriffa oder Madeira war, wo es aber auch beim zweiten oder dritten Mal stets noch Neues zu entdecken gibt. Zudem hat es durchaus Vorteile, wenn man sich vor Ort schon etwas auskennt oder eben die Highlights einer Insel schon gesehen hat, so kann man sich bei der zweiten/dritten Reise auch Zeit nehmen für Routen abseits der Haupt-Touristenströme (was ich ohnehin schon stets versuche, aber natürlich nicht immer ganz leicht ist).

Spitzenreiter in meiner Urlaubsziele-TopTen ist übrigens mit Abstand Bassano del Grappa in Norditalien (zufälligerweise mein Geburtsort!), wo ich seit 2010 inzwischen schon 18 Mal war, jeweils für eine Woche im März und Oktober zum Gleitschirmfliegen – das hätte ich mir so vor einigen Jahren auch nicht denken können, ist aber nun zu einer "liebgewonnenen Routine" und einem festen Bestandteil in meinem jährlichen Reisekalender geworden.


Gleitschirmfliegen in Bassano del Grappa, Italien (07.10.19)

Da ich kein großer Freund von trübem Winterwetter bin, liegt ein weiterer Grund für meine Reisen darin, der nass-kalten Jahreszeit (möglichst oft und lange) zu entfliehen, so dass ein Großteil meiner Reisen in die "Wintermonate" (Oktober bis März) fällt und es nahezu ausschließlich in sonnigere/wärmere Regionen mit Temperaturen von 20 Grad oder mehr geht (erst ab etwa 40 Grad ist es auch mir zu warm).
In den "Sommermonaten" kann man es ja auch meist ganz gut in Hamburg und Umgebung (Nord-/Ostsee) aushalten, zumal ich hier wirklich gerne lebe und mich sehr wohl fühle (und z.B. mit Golfen bei Laune halte – bei redgolf Moorfleet, einem absolut uneli­tären und auch günstigen Golfclub im Süden Hamburgs, nur 20 min von der Innenstadt entfernt).

Fazit: Reisen macht mich glücklich. Und zwar mehr als die meisten anderen (materiellen) Dinge.


redgolf Moorfleet, Hamburg (07.05.20)

Wie reise ich?

Ich reise gerne, und viel – und damit ich umso mehr reisen kann, ohne mein Jahresbudget dafür unnötig zu strapazieren, versuche ich in der Regel, möglichst günstig zu verreisen, wobei ich mir dabei in den letzten Jahren (etwas) mehr Komfort gönne und z.B. häufig einen Mietwagen leiste und auch auf Übernachtungen in Mehrbettzimmern (etwa in Jugendherbergen) verzichte.
Letztlich reise ich aber weiterhin mehr oder weniger noch wie ein Student (lediglich der große Wanderrucksack ist inzwischen einer rollbaren Reisetasche gewichen) und lebe ja auch noch ziemlich so: bescheiden und ohne allzu große Ansprüche, dafür aber unabhängig und glücklich.

Typischerweise beginnt eine Urlaubsplanung einige Monate vor der anvisierten Zeit, manchmal geht es aber auch sehr kurzfristig los, wenn sich ein günstiges Last-Minute-Angebot auftut. Ob Flüge weit im Voraus oder eben sehr kurzfristig am günstigsten sind, lässt sich pauschal leider nicht sagen – lediglich Flüge am 24./25./26. Dezember (und auch rund um Silvester) sind generell etwas weniger beliebt und daher häufig billiger, so dass ich schon mehrfach den Rückflug meines "Dezemberurlaubes auf den Kanaren" auf diese Daten gelegt habe (da Weihnachten für mich kaum Bedeutung hat); dadurch fällt auch der Hinflug 2 Wochen vorher noch nicht in die Zeit, in der die Fluggesellschaften die Preise deutlich erhöhen für diejenigen, die (nur) "über Weihnachten" in die Sonne fliegen wollen bzw. können, weil sie durch die Kinder an Ferienzeiten gebunden sind.


Malpais de Güimar, Teneriffa (24.12.17)

Grundsätzlich versuche ich, nicht zur Hauptreisesaison oder in den Schulferien zu verreisen, weil es außerhalb dieser Zeiten meist günstiger (Flüge wie Unterkünfte) und vor Ort natürlich auch leerer ist. Dabei sollte man nicht nur einen Blick auf die deutschen Ferienzeiten haben, sondern auch auf die lokalen oder von Nachbarländern; so ist z.B. Mauritius umso voller, wenn in Frank­reich Ferienzeit ist.

Bei der Wahl der Reiseziele bin ich ziemlich flexibel (Hauptsache, es ist warm vor Ort!), ebenso auch bei den exakten (Flug-)Daten, so dass der erste Schritt bei der Reiseplanung meist ist, auf diversen Flugportalen nach günstigen Verbindungen für einen grob umrissenen Zeitraum zu schauen (etwa auf swoodoo.com, wobei sich auf den Seiten der diversen Fluggesellschaften selber die jeweiligen Angebote häufig schneller finden lassen).

Im Idealfall nehme ich mir dann vor einer (gebuchten) Reise 1-2 Wochen Zeit, um mich vorzu­bereiten und vorab schon mal 2-3 Reiseführer (komplett) durchzulesen, so vergeudet man beim Reisen nicht unnötig viel Zeit mit dem Lesen und braucht meist nur auf seine Notizen zurück­greifen. Auch kann man so schon vorab eine Route leichter planen und vermeidet zum Beispiel, (zufällig) an einem Montag in einer bestimmten Stadt zu sein, um (erst) dann im Reiseführer zu lesen (oder vor Ort festzustellen), dass ausgerechnet montags alle Sehen­swürdig­keiten geschlossen sind (weitere Infos zum Thema Reiseführer siehe im Eintrag Reisebegleiter – Ausrüstung).


Übersichtskarte Madeira mit Notizen (13.12.12)

Im "Notfall" reichen mir inzwischen aber auch nur 2-3 Tage, um mich auf eine komplett neue Urlaubsregion vorzubereiten, wenn ich etwa kurzfristig ein günstiges Angebot für Flüge entdecke, um spontan einer Schlechtwetterperiode in Hamburg entfliehen zu können (wie z.B. im Mai 2011, als es innerhalb von 2 Tagen nach Kreta ging).

Während sich früher die genaue Reiseroute (und damit auch die Wahl der Unterkünfte) meist erst unterwegs ergeben hat, so dass man flexibel auf das Wetter oder sonstige Gegebenheiten reagieren kann, buche ich inzwischen meistens die Unterkünfte schon vorab, so erspart man sich vor Ort die teilweise zeitaufwändige Suche, kann vorab schon die Bewertungen im Internet recherchieren und zudem bei einem Ortswechsel auch erst spät abends am nächsten Zielort ankommen, weil man eben schon sicher weiß, dass man trotzdem ein Dach überm Kopf haben wird.
Bei einem 2-wöchigen (Wander-)Urlaub auf einer Kanaren-Insel habe ich üblicherweise 3-4 Unter­künfte in verschiedenen Regionen für jeweils 3-4 Tage, so kann man das jeweilige Tagesprogramm trotzdem noch einigermaßen flexibel an die Wettersituation anpassen und erspart sich viel Fahrerei im Vergleich zu (Pauschal-)Touristen, die für ihren gesamten Urlaub nur eine einzige Unterkunft haben.

Je nach Reiseziel kann es aber auch vorteilhaft sein, doch erst vor Ort die Unterkünfte zu suchen, wie z.B. bei meiner Rundreise durch Marokko im Februar 2018, wo ich lediglich für die erste und letzte Nacht eine Reservierung hatte. So konnte ich meine Route flexibel danach anpassen, wie weit ich am jeweiligen Tag kam und hätte auch auf mögliche Wetterumschwünge reagieren können, da dort manche Bergpässe nach (für Februar nicht untypischen) heftigen Schneefällen schnell mal für ein paar Tage unpassierbar sind und dies eine vorab geplante Route komplett über den Haufen werfen kann. Außerdem sind dort viele kleinere Unterkünfte noch gar nicht über ein Buchungs­portal im Internet, sondern nur direkt vor Ort buchbar, was aber kein Problem war, da der Februar dort absolute Nebensaison ist.


Erg Chebbi, Marokko (18.02.18)

Während ich innerhalb Europas mittlerweile meist auch einen Mietwagen habe, um vor Ort flexibler zu sein, nutze ich weltweit eher Busse und Züge sowie andere lokale Verkehrsmittel (etwa in Peru, Sri Lanka oder Vietnam), das ist dort wesentlich preiswerter und man bekommt so auch mehr Kontakt mit den Einheimischen bzw. deren Lebensalltag.
Als Unterkunft brauche ich kein 5*-Hotel, eine einfache Unterkunft mit Bett, Bad und Wlan reicht mir für gewöhnlich aus (häufig über booking.com gebucht); eine familiengeführte Pension, ein kleines B&B auf dem Land oder auch eine private Unterkunft (über airbnb.de) sind mir wesent­lich lieber als ein riesiger Hotelbunker.

Als grobe Faustregel gilt: ein (Rück-)Flugticket innerhalb Europas (etwa auf die Kanaren) ist mit 150-200 € als günstig zu bezeichnen, ein Flug in Richtung USA/Kanada, Karibik oder auch Süd­amerika ist für 500-600 € ein guter Deal. Zusammen mit einem Mietwagen (auf den Kanaren schon ab 10 €/Tag, z.B. bei AutoReisen.com), einer günstigen Unterkunft (25-30 €/Nacht) und Selbstverpflegung kostet so z.B. ein 2-wöchiger Wanderurlaub auf Teneriffa insgesamt nur 850-900 € (also 60 €/Nacht bzw. Reisetag, alle Kosten eingeschlossen, ohne Begleitung; zu zweit wäre es durch das Teilen der Kosten für Mietwagen/Benzin & Unterkünfte sogar noch günstiger).


Unterkunft & Mietwagen auf Lanzarote (26.12.14)

Apropos Begleitung: ich kann sehr gut alleine verreisen, tagsüber kann man frei entscheiden, was man tun möchte, und auch abends bin ich durch das Bloggen gut "beschäftigt" (meist 2-3 h), so dass keine Langeweile aufkommt. Ich habe aber in den letzten Jahren auch zahlreiche Reisen in (unterschiedlicher) Begleitung unternommen, eine gewisse Kompatibilität vorausgesetzt kann auch das sehr entspannt sein, ich bin da eigentlich recht flexibel und unkompliziert, zumal man sich zu zweit eben einige Kosten teilen kann.

Auch wenn inzwischen klar geworden sein sollte, dass ich kein Freund von Massentourismus und Pauschalreisen bin und daher am liebsten individuell verreise, habe ich in den letzten Jahren doch auch einige organisierte Gruppenreisen über Reiseveranstalter mitgemacht – immer in Begleitung meines Vaters und meist für Reisen, die auf eigene Faust etwas schwieriger zu organisieren gewesen wären (etwa nach China, quer durch Mittelamerika oder nach Kenia/Tansania).


Altun Ha, Belize (16.12.16)

Im Fazit am Ende der jeweiligen Reise habe ich mich schon zu den Vor- und Nachteilen solcher Touren geäußert, das will ich hier nicht alles wiederholen. Die Kurzversion lautet: man ist vor Ort wesentlich unflexibler und fährt an manch schönen Stellen knapp vorbei, noch dazu ist es 1½-2-mal teurer als eine Reise auf eigene Faust, letztlich bekommt man durch ein meist sehr kompaktes Programm aber auch durchaus viel zu sehen, ohne dass man selbst vorab oder auch vor Ort etwas organisieren muss – was man als Vorteil sehen kann (schließlich zahlt man ja auch genau für diese Bequemlichkeit), andererseits entgehen einem dadurch auch einige typische Reiseerlebnisse (etwa der Kontakt zu Einheimischen, wenn man sich selber um eine Zugfahrkarte etc. kümmern muss).

Fazit: wenn man auf eine eher kleine Gruppengröße (12-15) achtet (und man Glück mit den Mit­reisenden hat), ist es erträglicher, als ich zunächst befürchtet hatte, zumal es immer mal wieder auch einen freien (Nachmit-)Tag gibt, an dem man auf eigene Faust losziehen und dem "Gruppen­zwang" entkommen kann – trotzdem bin ich weiterhin lieber komplett individuell unterwegs.

Zum Thema Kreuzfahrten siehe den Nachtrag weiter unten.


Punta della Dogana, Venedig (10.03.17)

Welche Ausrüstung habe ich?

Schon öfter wurde ich gefragt, welche Kamera ich denn für meine Bilder benutze, das sei sicher etwas Teures. Nein, keineswegs. Wenn man einige Grundlagen der Fotografie beachtet (Sonne lieber im Rücken als Gegenlicht, Horizont gerade, auch mal 2 min geduldig warten, bis die Sonne wieder hinter einer Wolke hervorschaut) und vielleicht noch ein "gutes Auge" hat, lassen sich auch mit einer bescheidenen Ausrüstung schöne Ergebnisse erzielen. Die Frage nach der Kamera ist in etwa so, als würde man nach einer schmackhaften Mahlzeit den Koch fragen, welche Töpfe er benutze, das seien doch sicher besonders gute ...

Ich bin kein Profifotograf, der pro Tag 2-10 brillante Bilder macht, die man auch in einem Bildband veröffentlichen könnte (da mir schon allein die dazugehörige Ausrüstung viel zu unhandlich wäre), sondern sehe mich eher als "ambitionierten Hobbyfotografen", der mit relativ geringem Aufwand versucht, passable Schnappschüsse zustande zu bringen.


Ta Prohm (bei Angkor Wat), Kambodscha (24.02.17)

Daher begnüge ich mich mit einer handlichen Kompakt-Kamera (derzeit eine Sony HX90, 269 €), die sich auf Reisen immer griffbereit in einer Gürteltasche befindet, um jederzeit einen schönen Moment festhalten zu können. Trotz der geringen Größe bietet ein 30-facher optischer Zoom viele Möglichkeiten bei der Auswahl des Bildausschnittes, und auch weit entfernte Objekte (gerade in der Tierfotografie nicht unwichtig) können ordentlich "herangeholt" werden.
Bei der Motivauswahl versuche ich, neben den "klassischen" Sehenswürdigkeiten einer Stadt oder Region auch immer mal wieder ein paar Motive vor die Linse zu bekommen, die nicht auch schon in jedem Reiseführer zu finden sind.

Apropos Reiseführer, der darf beim Stichwort "Ausrüstung" natürlich nicht fehlen: hierzu verweise ich auf meine Ausführungen im Eintrag Reisebegleiter – Ausrüstung, dort sind auch noch zusätz­liche Informationen zu meinen (bisherigen) Kameras sowie weiteren Ausrüstungsgegen­ständen (wie Zelt, Reisetasche, Laptop und natürlich Hut) zu finden – sowie auch zu Lucy, meiner Dauer-Reisebegleiterin seit fast 25 Jahren.


Lucy bei den 7 neuen Weltwundern

Über mich – kurze Vita

Geboren 1974 in Bassano del Grappa/Italien, mit 5 Jahren mit den (deutschen) Eltern wieder "zurück" nach Eschborn/Taunus bei Frankfurt/Main gezogen. Nach dem Abitur 1993 zum Studium für ein Jahr nach Marburg, zwei Jahre nach Dresden und schließlich nach Berlin, 2000 Diplom in Psychologie an der Humboldt-Universität zu Berlin.
2001 Umzug nach Hamburg und Beginn einer Psychotherapeuten-Ausbildung im nördlich gelegenen Bad Bramstedt, parallel zum Job als Therapeut in einer Psychosomatischen Klinik dort. 2003 Psychiatrie-Jahr in Rotenburg/Wümme, 2005 Approbation als Psychologischer Psycho­therapeut (Schwerpunkt Verhaltenstherapie).
Von 2006 bis 2009 auf Norderney gelebt und gearbeitet (LVA/DRV Reha-Klinik), 2010 zurück nach Hamburg und als angestellter Psychotherapeut in der ambulanten Versorgung tätig.

Mitte 2014 habe ich meinen Job gekündigt und zunächst von Ersparnissen gelebt, seit 2019 – mit großem Dank an meine Eltern – zusätzlich auch von Mieteinnahmen, so dass meine Therapeuten-Tätigkeit derzeit weiterhin ruht.
Ja, mein Job hat mir durchaus Freude bereitet, aber ich bin auch ohne eine "Aufgabe im Leben" sehr zufrieden und glücklich, so dass ich mir weiterhin den "Luxus" gönne, frei und unabhängig zu sein und nahezu jederzeit verreisen zu können, wenn mir danach ist, was ich wirklich sehr genieße (wenn nicht gerade eine Pandemie sämtliche Reiseaktivitäten ausbremst, siehe Corona statt Karibik & Co.).

Wer noch etwas mehr über mich bzw. meine Einstellung zu bestimmten Lebensbereichen erfahren möchte, sei auf meine gesammelten Lebensweisheiten verwiesen.


Sonnenuntergang auf der MSC Armonia (15.12.16)

Nachtrag zum Thema Kreuzfahrten: Pro & Contra

Noch vor wenigen Jahren hätte ich mir nie vorstellen könne, eine Kreuzfahrt zu machen. Kreuzfahrttouristen bzw. generell Pauschaltouristen galten für mich als der "natürliche Feind" des Individualtouristen: sie treten meist in (lauten) Gruppen auf, hetzen in bunten Jack-Wolfskin-Jacken von einer Sehens­würdigkeit zur nächsten (weil sie häufig nur wenige Stunden Zeit in einer Stadt haben) und lassen dabei zwangsläufig auch vieles links liegen, was sie oft aber gar nicht bemerken, weil sie selbst nie einen Blick in einen Reiseführer geworfen haben, sondern einfach nur tumb einem Reise­leiter hinterher trotten – so das Vorurteil.

Eher "aus der Not heraus" habe ich dann im Dezember 2013 meine erste kurze Kreuzfahrt gemacht (da die 4 Nächte auf dem Schiff inklusive Vollpension und Trip auf die Bahamas durch ein Sonder­angebot letztlich günstiger waren als ein Hotel über Silvester in Miami) – und fand es weniger schlimm, als befürchtet.
Ja, viele Kreuzfahrer entsprechen tatsächlich dem beschriebenen Klischee, erweitert um die Tatsache, dass sie (deutlich) übergewichtig sind, da sie den allgegenwärtigen kulinarischen Verlockungen auf so einem Schiff nicht widerstehen können und viele auch nicht zum ersten Mal eine Kreuzfahrt machen. Und trotzdem war die Erfahrung, dass es auch als "untypischer Kreuz­fahrer" gelingen kann, während einer Kreuzfahrt eine schöne Zeit zu verbringen, da man sowohl den Massen als auch dem ganzen sonstigen Trubel einigermaßen gut aus dem Weg gehen und nicht zuletzt auch bei den Landgängen individuell unterwegs sein kann, so dass man sich tagsüber mit Abstand zu Schiff und Mitfahrern durchaus gut erholen kann und das "schwimmende Hotel" letztlich (fast) nur für Frühstück und Abendessen (sowie natürlich zum Schlafen) nutzt.


Atlantis, Paradise Island, Bahamas (31.12.13)

Dennoch dauerte es bis zu den nächsten Fahrten 3 Jahre, im Dezember 2016 ging es erst 14 Tage durch die westliche Karibik und im Januar 2017 durch die Kleinen Antillen im Osten der Karibik.
Im Fazit zur Dezember-Reise habe ich zahlreiche Vor- und Nachteile solcher Fahrten diskutiert (siehe hier), das Fazit zur Januar-Reise lautet zusammengefasst: Eine wunderschöne Reise – obwohl es eine Kreuzfahrt war! :-)

Ich war (und bin) weiterhin kein Kreuzfahrt-Fan, aber ich bin ein großer Freund des günstigen Verreisens, und als Ergänzung zu meinen üblichen (individuellen) Reisen ist es eine durchaus interessante (und bequeme) Variante vor allem für Routen, die man anders nicht gut bereisen kann, so dass man mich trotz der zahlreichen Mankos gelegentlich eben doch auf ein Kreuz­fahrt­schiff locken kann, erst recht wenn es damit in Richtung Sonne geht. Anders gesagt: wenn ich für ausgesprochen wenig Geld (wie bei speziellen Last-Minute- oder Frühbucher-Angeboten) 2-4 Wochen Sonnenschein inklusive Übernachtung und Vollpension bekommen kann, nehme ich auch in Kauf, dass es eine Kreuzfahrt ist.


Shirley Heights, English Harbour, Antigua (20.01.17)

Meine nächste Fahrt im März 2018 entsprach genau diesen Kriterien: eine ungewöhnliche Route mit viel Sonne (nach 12 Tagen in der Karibik ging es in einer Woche nonstop quer über den Atlantik nach Europa) zu einem günstigen Preis, da Transatlantik-Fahrten in der Regel nicht ausgebucht und daher deutlich preiswerter angeboten werden als übliche Reisen.

Bei einer "normalen" Kreuzfahrt (etwa im Mittelmeer) gibt es die günstigsten Innenkabinen für etwa 100 € pro Nacht (pro Person), Balkonkabinen sind 1½-2-mal so teuer, wobei manche Reedereien generell noch (deutlich) teurer sind, ebenso besonders kleine Schiffe, da diese meist exklusiver sind.
Bei unserer Atlantiküberquerung im März 2018 gab es die insgesamt 25-tägige Fahrt (mit Voll­pension) in einer "Glückskabine" inklusive des Hinfluges nach Kuba (sowie Zug-zum-Flug-Ticket von Hamburg nach Frankfurt) 4 Wochen vor Abfahrt für gerade mal 1085 € pro Person – bei einem regulären Katalogpreis von 2709 € bzw. 3849 € für die uns tatsächlich zugewiesene Balkonkabine! Inklusive aller Nebenkosten unterwegs sowie dem Rückflug von Italien nach Hamburg habe ich für gesamte Reise letztlich 1419 € bezahlt, d.h. umgerechnet 59 €/Nacht.


Auf der MSC Opera (04.04.18)

Die Woche auf dem Atlantik fand ich dabei erstaunlich erholsam und entspannt, auch wenn man den ganzen Tag über nur Meer sieht (das übrigens fast durchgehend spiegelglatt war) und man das Schiff (natürlich) nicht verlassen kann. Aber mit Schlafen, Essen, aufs-Meer-Sehen, Essen, Bloggen, aufs-Meer-Sehen, Whirlpool, Essen, Sonnenuntergang, Abendshow und Mitternachts­snack war man doch fast immer irgendwie "beschäftigt".
Ja, manchmal habe ich mich wie auf einem fremden Planeten gefühlt, weil vieles von dem tag­täglichen Bespaßungsprogramm (für die "typischen Kreuzfahrer") für mich doch sehr eigen­artig war – zugleich aber auch irgendwie faszinierend. Schon alleine das (unbeteiligte) Betrachten dieses fremdartigen Treibens kann mich einige Zeit fesseln – und wer wäre nicht gerne mal auf einem fremden Planeten, um die dortigen Bewohner und ihre Verhaltensweisen zu beobachten? ;-)

Mein Fazit: angesichts des günstigen Preises ist es eine erträgliche Art des Reisens, zumal solche Positionierungsfahrten eben nicht nur preiswert sind, sondern auch noch den Vorteil haben, dass sie nicht ausgebucht sind (es also mehr Platz für jeden auf dem Schiff gibt) und zudem auch nur sehr wenige Familien mit (kleinen) Kindern an Bord sind.


Seetag auf der MSC Armonia (23.12.16)

Nach einer ebenfalls sehr günstigen Reise nach Norwegen gemeinsam mit meiner Mutter im Sommer 2018 (bei der natürlich auch die Route entlang der Küste Norwegens bis zum Nordkap, vorbei an den Lofoten oder durch den Geiranger-Fjord geradezu prädestiniert ist für eine Reise mit einem Schiff) folgten schließlich bis Ende 2019 noch 3 weitere Transatlantik-Fahrten (jeweils auf verschie­denen Routen, u.a. auch direkt von Hamburg nach Montreal, um meinen Bruder dort zu besuchen).

Dabei ist es jedes Mal ein Spagat zwischen den Schrecken des Massentourismus und der Möglich­keit, ohne großen Aufwand verschiedene Orte zu sehen und tagsüber als "Individualtourist" an Land meine Freiheiten zu genießen – wobei mir ja auch gerade die Seetage durchaus gut gefallen, denn auch hier genießt man ja die "Freiheit" zu tun, was man möchte, und sich an Bord auch immer ein relativ ruhiger Ort fernab des Massentrubels finden lässt, um entspannt aufs Meer schauen zu können.


Sukkertoppen, Alesund, Norwegen (mit der Costa Pacifica im Hintergrund; 30.06.18)

Es ist übrigens egal, ob sich noch (nur) 1000 andere Passagiere auf dem Schiff befinden (wie auf der relativ kleinen AIDAvita) oder 4000 (wie auf der MSC Seaview), da sich die Massen immer gut auf den 9-15 zugänglichen Decks verteilen und man eigentlich nie das Gefühl hat, dass mit einem noch Tausende andere gemeinsam auf dem Schiff sind.

Gerne würde ich solche Fahrten übrigens auch auf einem Frachtschiff mitmachen, da die zahl­reichen Bordaktivitäten (von Aerobic über Bingo bis hin zu Tanzunterricht und Karaoke) für mich völlig unnötig sind und es ohne diese für mich wohl noch entspannter wäre, aber solche Fracht­schiff-Mitfahrten sind tatsächlich leider wesentlich teurer.


Die relativ kleine AIDAvita am Tag der Abfahrt in Hamburg (04.06.19)

Meine letzte Fahrt im November 2019 von Genua nach Santos/Brasilien mit der MSC Seaview war übrigens die insgesamt günstigste: die 19-tägige Fahrt selbst gab es kurzzeitig auf go7seas-kreuzfahrten.de zu einem Preis von nur 499 € pro Person in einer 2er-Innenkabine; inklusive Flügen und 4 Tagen/Nächten in Brasilien am Ende der Fahrt habe ich letztlich 1269 € für 25 Urlaubstage gezahlt, also gerade mal 53 €/Nacht – und damit weniger als die ohnehin schon günstigen 60 €/Nacht für einen Wanderurlaub auf Teneriffa (siehe oben), und das mit Vollpension und 8 Tagen unter der Sonne Brasiliens, inklusive einem Tag in Rio de Janeiro!

Fazit: Kreuzfahren wird wohl nicht meine neue Lieblings-Reiseart, aber es ist durchaus aus­zu­hal­ten, wenn man auf das Preis-Leistungs-Verhältnis schaut, sofern man nicht zum regulären Katalog­preis bucht, sondern die Fahrt mit etwas Glück und Geduld zu einem Schnäppchen-Preis bekommt.


Sonnenuntergang auf der MSC Seaview (27.11.19)

Ja, aber was ist denn mit dem Umweltaspekt? Darf man angesichts des Klimawandels eine Kreuz­fahrt machen, egal wie günstig sie auch ist, wo diese doch als ziemlich umweltschädlich gilt?

Meine persönliche Antwort darauf lautet: darf ich – sogar mit relativ gutem Gewissen.
Bei dem zuletzt genannten Preis von 1269 € für 25 Urlaubstage sind tatsächlich schon insgesamt 130 € CO2-Kom­pen­sation mit dabei, die ich freiwillig bei atmosfair.de gezahlt habe: 5 € für den Flug von Hamburg nach Italien, 86 € für die Kreuzfahrt und 39 € für den Rückflug von Brasilien.

Natürlich werden dadurch nicht alle negativen Aspekte einer Kreuzfahrt (wie z.B. Lärmbelastung der Meere, "Überlaufen" kleinerer Küstenorte) egalisiert, aber dann dürfte man letztlich auch nicht mit einem Flugzeug in den Urlaub fliegen – was aber viele Kreuzfahrt-Kritiker trotzdem machen, weil es halt viel leichter und bequemer ist, mit dem Finger auf andere zu zeigen, als an sich selbst etwas zu ändern (und sei es, für seine Flüge ebenfalls freiwillig eine CO2-Kompensation zu zahlen).


Irgendwo im Atlantik auf der MSC Poesia (30.11.18)

Wenig zutreffend ist es auch, CO2-Kompensationen als "modernen Ablasshandel" zu bezeichnen, denn während man früher durch solche Zahlungen lediglich vor der (imaginären) Strafe für (imaginäre) Sünden befreit wurde, werden bei atmosfair.de mit den Kompensationszahlungen konkrete Klimaschutzprojekte finanziert, die Treibhausgase binden oder deren Emission langfristig reduzieren, z.B. durch Aufforstung, Investitionen in erneuerbare Energien wie Windkraftanlagen oder auch energieeffizientere Öfen für die einfache Bevölkerung in Afrika.

Ja, leider kompensieren sicher nur die wenigsten Kreuzfahrer den CO2-Ausstoß ihrer Reise, aber immerhin zahlt z.B. MSC (mit denen ich 5 meiner bislang 8 Fahrten unternommen habe) seit 2020 selber für jeden Passagier ihrer Schiffe eine entsprechende CO2-Kompen­sation und wirbt damit, dadurch "klimaneutral" zu fahren.
Und: die weltweit etwa 400 Kreuzfahrtschiffe machen nur ca. 0.5 % aller Fracht- und Container­schiffe aus, die auf den Weltmeeren (wesentlich weniger umweltfreundlich, weil weniger im Fokus bzw. mit weniger Auflagen belegt) unterwegs sind, so dass man durchaus auch argumentieren könnte: wer sich wirklich für Klimaschutz einsetzen möchte, sollte sich doch lieber auf die 99.5 % der CO2-Verursacher im Schiffsverkehr konzentrieren (oder bzw. und auch auf gänzlich andere Bereiche, siehe unten), anstatt – gerne emotional geleitet – auf die (wenigen) Kreuzfahrer einzuhauen.

Fazit: man darf Kreuzfahrten gerne kritisch sehen, auch ich tue das – aber man muss sie auch nicht verteufeln.


Atrium der MSC Seaview (18.11.19)

Abgesehen von meinen Reisen lebe ich generell sehr nachhaltig, vermeide und trenne meinen Müll seit zig Jahren, werfe so gut wie nie Lebensmittel weg, brauche nicht jedes Jahr ein neues Handy, fahre mit dem Auto weniger km als der Durchschnitt, nutze seit vielen Jahren Energiesparlampen und mache immer brav das Licht aus, wenn ich ein Zimmer verlasse (so dass ich mit nur etwa 750 kWh/Jahr einen unterdurchschnittlich geringen (Öko-)Stromverbrauch habe), trage Klamotten manchmal 20 Jahre lang und länger, stopfe Löcher in Socken und versuche auch stets, Dinge erst zu reparieren, bevor ich mir gleich etwas neu kaufe.

Mein (sonstiger) ökologischer Fußabdruck liegt damit deutlich unter dem Durchschnitt – lediglich durch das Reisen (bzw. den Transport zum jeweiligen Reiseziel) kommt er in einen (leicht) über­durch­schnitt­lichen Bereich, da ich auch vor Ort etwa bei Wanderurlauben nur wenig "impact" auf das Reiseland habe und kaum Spuren hinterlasse – im Gegenteil, beim Wandern sammele ich z.B. auch regelmäßig (fremden) Müll auf, den ich unterwegs finde.


Außenalster, Hamburg (12.04.20)

Ich glaube, dass letztlich nur globale Maßnahmen (wie eine CO2- und Kerosin-Steuer, was ich beides befürworte, auch wenn (meine) Reisen dadurch deutlich teurer oder evtl. weniger werden) den Klimawandel noch aufhalten können, da sich der einzelne Mensch generell schwer darin tut, sein Handeln an langfristigen Zielen bzw. Konsequenzen auszurichten – erst recht dann, wenn dies erfordert, freiwillig kurzfristige Nachteile in Kauf zu nehmen. Abgesehen davon sollte das bisherige Zögern (um nicht zu sagen: Versagen) der Politik bei der Umsetzung ausreichender ökologischer Maßnahmen ohnehin nicht durch ein Abwälzen der Verantwortung auf den einzelnen Bürger aus­geglichen werden.

Es wird sich erst noch zeigen, ob das geforderte langfristige Denken (inklusive unlieb­samer Ein­schränkungen und Verbote) die Menschheit letztlich nicht vielleicht schlichtweg überfordern, weil viele dafür einfach zu unreflektiert sind, Politiker (weltweit) zu machtbesessen und die Wirtschaft zu profitorientiert ist. Möglicherweise wäre eine gänzlich neue Wirtschaftsordnung die (einzige) Lösung – oder aber, wir lassen die Menschheit einfach weiter langsam ihrem (durch den an­stei­gen­den Meeresspiegel im doppelten Sinne folgenden) Untergang entgegensteuern – die Natur wird sich danach schon von selbst wieder regenerieren ...

PS: Hier eine Übersicht der EU-weiten Treibhausgasemissionen, an der man sieht, dass der gesamte Flug- und Schiffsverkehr nur jeweils recht geringe Anteile haben – was natürlich nicht bedeutet, dass man diese Bereiche komplett außer Acht lassen sollte, aber dass eben vor allem der Wirtschaftssektor (insb. Strom- und Wärmeerzeugung) noch wesentlich mehr Einspar­potential haben und daher letztlich nicht der einzelne Bürger mit seinem persönlichen Verhalten/Verzicht die notwendige Energiewende herbeiführen kann, sondern Wirtschaft und Politik gefragt sind, endlich ihrer Verantwortung gerecht zu werden.


Verteilung der EU-Treibhausgasemissionen (Quelle)

PPS: Gerade habe ich einen interessanten Artikel gefunden, der ein paar "Umwelt-Mythen" in Bezug auf Kreuzfahrten einem Fakten-Check unterzogen hat: Artikel auf blick.ch

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Das Titelbild ist von der Costa El Sauzal auf Teneriffa (18.12.17).

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